Montag, August 01, 2011

Kurzreviews Juli/II/2011

Ach herje, in dieser Liste bin ich wieder etwas ausschweifender geworden. Aber Filme wie "Transformers 3" oder Terence Malicks "The Tree of Life" lassen sich einfach nicht knapp in Worte fassen. Da bedarf ein paar Worten mehr. Überraschender empfand ich dabei die letzten beiden "Stirb Langsam"-Filme, bei denen ich es einfach nicht fertig brachte, mich kürzer zu fassen. Das sei mir verziehen. Doch ingesamt enthält die Liste für meinen Geschmack etwas zu viel Text, wo ich doch, so denke ich zumindest, in den vorherigen Listen gelernt hatte, meine Litaneien kürzer zu fassen. Nun gut, hier hat es nicht ganz so geklappt, in Zukunft versuchen ich mich wieder zu beschränken.

Hiermit präsentiere ich wiederum die 23 Filme (ausgeschlossen Serien und Filme, die ich mich nicht im Stande sehe zu bewerten, weil ich sie z.B. nur zum Einschlafen gesehen habe), die ich im Monat Juli seit der letzten Liste gesehen habe:

Stirb langsam - Jetzt erst recht (1995)
Das es mal "Lethal Weapon 4" werden sollte, merkt man dem Film hier und da an, dafür bringt er auch frischen Winde in die Reihe, wo Teil 2 bloß kopierte. Jeremy Irons ist ein starker Antagonist mit cleverem Plan, Samuel L. Jackson ergänzt Bruce Willis gut als Sidekick und Polizei und FBI sind mal nicht die größten Idioten. Für die Action und das Tempo sorgt John McTiernan, einzig das Ende lässt etwas nach. (8,5/10)

Transformers 3 (2011)
Gratuliert Michael Bay! Er ist offiziell ein beschissenerer Regisseur als Uwe Boll und damit tausendmal erfolgreicher! Teil 2 habe ich schon ignoriert, Teil 3 hat zwar nahezu perfekte Effekte, doch der Rest ist ein ganz schlimm inszeniertes, mit miesen Regieinfällen gespicktes, bis auf Frances McDormand und John Turturro belanglos gespieltes Stück Filmdreck, mit einer Null-Story und, dank Shia LaBeouf, einem dem wohl schlechtesten Protagonisten der Filmgeschichte, gepaart mit der wandelnde Gummipuppe Rosie Huntington-Whiteley samt implantiertem Transformergummireifen in der Oberlippe. Ich bitte Euch: lernt es endlich! Michael Bay ist mies! Transformerfilme sind mies! Und 3D ist mies! (2,5/10)Stephen King's Riding the Bullet (2004)
Nach einem Anfang zwischen leicht und obskur wandelt sich der Film zum schaurigen Roadtrip, mit dem untoten David Arquette als Höhepunkt. Die persönlichen Probleme des Protagonisten werden selbstredend eher flach behandelt (dank Stephen King? Habe die Geschichte nie gelesen) und wieder einmal wäre das ganze besser als Kurzfilm in der Twilight Zone aufgehoben, doch Mick Garris versteht es die Laufzeit gut auszufüllen. (6,5/10)

Ichi the Killer (2001)
Takashi Miike präsentiert ein Sammelsorium an Geschmacklosigkeiten mit einer mehr als konfusen und konfus erzählten Geschichte, wenn man es denn so nennen will. Ist schon derart übertrieben, das man es gar nicht mehr ernst nehmen kann. (3,5/10)Dei Mudder sei Gesicht (1997)
Deutsches Billigfilmchen, das man nicht mal mehr als Trash bezeichnen kann. Versucht mit Klischeewitzchen zu Ungunsten ethnischer Minderheiten sowas wie Humor zu entwickeln. In erster Linie dämlich, in zweiter langweilig. (0/10)

Nikita (1990)
Ich habe meine Probleme mit Luc Besson, wie auch hier, wo eine der nervigsten Protagonistinnen ever tatsächlich eine Wandlung zur Sympathiefigur erlebt, um dann als Profkillerin zermürbt zu werden. Neben den stylishen Action-Szenen menschelt es sehr, wenn auch nur oberflächlich. (7/10)

Als das Meer verschwand (2004)
Großartiges Außenseiterdrama, eine Geschichte von Fehlern oder Entscheidungen, die die beteiligten Menschen im Laufe ihres Leben gemacht oder getroffen haben. Das melancholische Ende offenbart viel Verlust und nur ein Fünckchen hoffnungsvolle Erlösung. (9/10)

Stirb langsam 4.0 (2007)
John McClane kommt erfolgreich im Zeitalter des Mikrochips an und wird gleich einem Horrorszenario nationalen Ausmaßes ausgesetzt. Die verbalen Generationskloppereien mit Justin Long sind tatsächlich amüsant und der Jüngling als Sidekick sympathisch, während Timothy Olyphant als Fiesling etwas blass bleibt. Die Action ist über weite Strecken gelungen, allein die arg übertriebenen Szenen sind störend (Jet!). (7,5/10)

Vicky Cristina Barcelona (2008)
Locker-leichter Sommerfilm in schönen Bildern, romantisch, erotisch, witzig, doch auch ein wenig unentschlossen gegen Ende. Woody Allen typisch bieten die Dialoge natürlich einen besonderen Reiz und sein Ensemble ist mit Elan dabei. Gute Laune-Film mit leicht bitterem Beigeschmack. (7/10)

Frost/Nixon (2008)
Unschlüssig zwischen Politik und Charakterstudie, weder dramatisch, noch politisch oder medial brisant. Erst im Finale fesselt der Film tatsächlich und zeugt seinen historischen Vorbildern alle Ehre, auch dank den Darstellern. (6/10)
The Tree of Life (2010)
Terrence Malick meldet sich zurück mit seinem angeblichen Opus Magnum zwischen Größenwahn und religiöser Propaganda, das sowohl bewunderns- als auch hassenswert ist. Ich liege da zwischen, mit Hang zum letzterem. Der Anfang aller Dinge und die bloß durch Eindrücke aufgezeigte Perspektive eines aufwachsenden Kindes, Malicks Art seine Vater-Sohn-Komplexe abzuarbeiten, sind von ungeheurer Kraft. Die quälend-kitschig pro-religiöse Komponenten erzeugt hingegen Übelkeit und Unwohlsein ungeahnten Ausmaßes, wirkt sie doch wie ein Werbefilm der Zeugen Jehovas. Zu diesem Zweck lässt Malick gerne mal den Symbolik-Holzhammer der Lächerlichkeit kreisen. Ich enthalte mich einer Wertung, denn ich will und kann mich nicht anmaßen, den Film so profan zu kategorisieren. Würde ich es tun, wäre es allerdings keine hohe Note. (keine Bewertung)

Wing Chun (1994)
Hat eigentlich nichts mit Wing Chun oder der Legende der Entstehung der Kampfsportart zu tun. Yuen Woo-Ping typisch wirkt der Film wie eine überdrehte Comicverfilmung, mit Liebe, Helden, Aufrichtigkeit und asiatischem Humor. Ein Konstrukt, das belangloser nicht sein könnte, wären nicht Michelle Yeoh und Donnie Yen beteiligt. Harmlos. (5/10)

Italienisch für Anfänger (2000)
Um die Effekthascherei vergleichbarer Hollywood-Tragikkomödien reduzierter Dogmafilm, der am Boden bleibt und sich voll seinen Figuren widmet, die mit ihren Vorzügen und Fehlern den ganzen Charme des Films ausmachen - sofern man was mit der Machart anfangen kann. (6/10)

Psycho (1998)
Regelrecht ein Meilstein, denn Gus Van Sants Kopie ist ein Mahnmal für alles, was in einem Remake schief laufen kann. Die Beteiligten haben nichts von Hitchcocks Meisterwerk verstanden und wenn sie es nicht unkreativ Bild-für-Bild nachspielen, wie in einem billigen Fan-Homemade-Movie, variieren oder erweitern sie den Film um pure Redundanz. Die Krone des ganzen ist allerdings die Besetzung: Vince Vaughn als Norman Bates dürfte der größte Fauxpas in der Geschichte des Castings sein. (2/10)Dick & Doof in geheimer Mission (1942)
Nicht unbedingt der Höhepunkt Stan Laurels und Oliver Hardys Filmkarriere, aber das Gespann hat noch genug Charme, dem Film zu tragen. (5,5/10)

Sherlock - Eine Studie in Pink (2010)
Skepsis an Sherlock Holmes im 21. Jahrhunder sei erlaubt, doch er fügt sich nahtlos in die Moderne ein und bleibt stets Sherlock Holmes (was Guy Ritchie ja nicht gelang und er blieb im viktorianischen London). Benedict Cumberbatchs Holmes ist intelligent, wie arrogant, und dem Holmes aus der Vorlage sehr nahe, während Martin Freeman als Watson die Perspektive des Zuschauers zwischen Zweifel und Faszination vertritt. Paul McGuigan inszeniert das ganze verspielt, doch sicher, mit einer Souveränität, die vielen Serien abgeht. (8/10)

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 (2011)
Der große Abschluss (in 2D selbstredend). Tatsächlich David Yates bester und doch mit ihm gebrandmarkt. Der Mann kann kein großes Kinoerlebniss schaffen, auch wenn er sich hier sichtlich bemüht, weswegen das große Finale mehr verpufft, statt mit einem Knall zu enden und eindrucksvolle Szenen sind meistens dem Buch geschuldet. Dennoch unterhält der Film besser als die Yates-Vorgänger. Aus der Aufteilung in zwei Filme haben sie natürlich keinen Vorteil gezogen. (7/10)

Air Force One (1997)
Die ultimative Wichsvorlage für jeden (republikanischen) US-Präsidenten, mit einer absurd-lächerlichen Story, die alte Feindbilder wieder aufwärmt (und das Ende der 90er!), viel schlimmer jedoch sich in jeder Sekunde in ekelig übertriebenem Patriotismus suhlt - ironischerweise von Wolfgang Petersen inszeniert. (5/10)

Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937)
Disneys erste abendfüllender Spielfilm. Wow, ist das kitschig! Aber so naiv, unschuldig und soooooooooooo süß! Abseits des problematischen Frauenbilds versteht sich... (8/10)

Harold & Kumar - Flucht aus Guantanamo (2008)
Ist eigentlich ganz witzig... wenn man mal von den sexistischen Kifferwitzchen absieht - aus denen der Film überwiegend besteht. Was wollte ich noch sagen? (6/10)

Underworld (2003)
Durchgestylte Fantasy-Action, mit banaler Romeo und Julia-Geschichte (mit Happy Ending... irgendwie) und okayer Action. Was den Film hauptsächlich ausmacht, ist der düstere Gothic-Look... und Kate Beckinsale in Lack und Leder *sabber*. Len Wiseman hat schon viel aus dem Budget rausgeholt. (7/10)

Musa - Der Krieger (2001)
Alle Jahre wieder versuche ich mich am koreanischen Erfolgsvehikel. Inzwischen kann ich ihm ein wenig mehr abgewinnen als früher, denn die Charaktere sind eingängig, die Geschichte funktioniert und die martialischen Schlachten sind alles andere als glorifizierend. Trotzdem empfinde ich ihn immer noch als zu lang. (7/10)

Flawless - Ein tadelloses Verbrechen (2007)
Ruhiger, aber stilvoller Heist-Movie, bei dem der gute Eindruck einzig durch das überflüssige "Gute Mensch"-Ende getrübt wird. (6/10)







23 - 5,7 (130)

Kommentare:

Citara hat gesagt…

Zu Transformers
Wow, welch Antipathie gegen Michael Bay. Die Tussi war aber auch mehr als überflüssig.

Zu Stirb langsam - Jetzt erst recht
Das ist doch Teil 3 und nicht 4 *?*
Hat mir immer gut gefallen, viel besser als 2.

Zu Stirb Langsam 4.0
Ich mag den Film, aber für mich passt er nicht nicht in den Stirm-Langsam-Kanon. Unter anderem Titel ein guter Film.

iceclaw77 hat gesagt…

Wie fandest du denn den ersten Transformers Film?

Sherlock hab ich im Ersten gesehen und war wirklich angetan. Ein toller Serienauftakt! Der 2te Teil war auch gut, aber nicht so sehr wie der erste. Eine wirklich großartige Schauspielerwahl wurde hier getroffen.(für Sherlock)

Okami Itto hat gesagt…

@ Citara:
Michael bay ist nicht einfach nur ein mieser (wirklich mieser) Regisseur, sondern die Personifikation all dessen, was das Kino qualitativ zu Grunde richtet: verkauft wird nach Namen und nicht nach Qualität, und das in solch einem Ausmaß, dass die Qualität gar nicht mehr von Bedeutung ist. Michael Bay ist der Exponent all dessen, dreht bloß beschissene Filme und kassiert damit kräftig ab, weil das den Zuschauern egal ist. Ich kann gar nicht verstehen, was in den Köpfen der Leute abgeht, die ernsthaft behaupten, "Transformers 3" sei ein unterhaltsamer Film. Ich kann mit jeder Menge Schrott leben, ich liebe Trash und B-Action und ich werde niemandem in meinem Leben verdammen, der sich gerne mal eine romantische Komödie anguckt.
Aber ein Phänomen wie die "Transformers"-Filme oder Michael Bay im allgemeinen ist für mich indiskutabel. Der Kerl ist meiner Meinung nach das cineastische Äquivalent zur Politik. Immer fleissig kassieren, den Leuten irgendeinen Bullshit vorsetzen und die fressen alles mit Schaufeln, behaupten sogar noch, es wäre Bocuse.
Nein, in diesem Ausmaß kann ich nicht anders als in Hasstiraden ausbrechen, tut mir leid. Scheinbar braucht jeder Filmfan seinen persönlichen Filmnemesis.

Huch, hatte ich zu "Stirb Langsam 3" geschrieben, dass er Teil 4 wäre? Oder meinst Du, wegen "Lethal Weapon 4"? Apropo "Lethal Weapon 4": bei "Stirb Langsam 4" muss ich Dir widersprechen. An dem ist wesentlich mehr "Stirb Langsam" als z.B. im dritten (eben aus dem Grund, dass dieser ursprünglich ein anderer Film werden sollte). Der Stil ist komplett anders, das ist wahr, aber das liegt an Len Wiseman. Das Konstrukt ist in jedem Fall noch "Stirb Langsam".

@ Iceclaw:
Den ersten fand ich zwiespältig. Grandiose Effekte, rasante (doch schon da eher chaotisch inszenierte) Action, auf der anderen Seite mit bedeutungslosen Protagonisten, einer wirklich mehr als peinlichen Exposition für die anderen Transformer und am schlimmsten: ein beschissen penetranter Militär-Patriotismus. Was in z.B. "Air Force One" noch unfreiwillig komisch rüberkommt, wird bei Michael Bay zum überzogen ernsthaften Lobgesang auf Amerika und seine heldenhaften Soldaten (obwohl die gegen die Decepticons ordentlich einstecken müssen). Unerträglich.

Ansonsten kann ich mit "Transformers" No. 1 noch leben, aber gut ist was anderes. Den zweiten habe ich eben gänzlich ignoriert (und glaubt man dem allgemeinen Tenor, war das auch verschmerzbar...), der dritte wurde mir mehr oder weniger aufgezwungen und mein Gott! Ich hätte nie geglaubt, dass ich mal den Film der Reihe vorziehen würde, in dem der Hurrapatriotismus allgegenwärtig ist. Der ist im dritten deutlich runtergefahren, jedoch hilft das nichts, wenn alles andere bloß noch scheiße (entschuldigt bitte, aber das ist es nun mal) ist... bis auf die Effekte. Die sind unbestreitbar grandios.

"Sherlock" finde ich wirklich toll, wobei der zweite Teil in der Tat kräftig nachgelassen hat. Nett, aber irgendwie zu konventionell, wieder zu... nun ja, "serienhaft". Mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman war mir das aber sowas von egal, die sind ein tolles Team.

Citara hat gesagt…

Irgendwie scheint mein Gehirn zunächt gelesen zu haben dass Stirb langsam 3 Stirb langsam 4 hätte sein sollen, was mich wunderte. Ich bin beinahe überzeugt, dass Lethal Weapon dort gar nicht stand :)

Okami Itto hat gesagt…

*g* Aber ich schwöre auf Gott und die Bibel (und das als Agnostiker), dass ich den Text nicht mehr verändert habe. ;-)

Citara hat gesagt…

Das nächte mal mache ich Screenshots um sicher zu gehen ;)

Darth Puma hat gesagt…

Wow, hast ja wieder viele Filme gesehen. :-)

Der Imperator hat gesagt…

Sherlock ist wirklich eine Überraschung. Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, hätte ich nicht gedacht, der Stoff ließe sich ans 21. Jahrhundert anpassen. Einfach grandios!

Okami Itto hat gesagt…

@ Darth Puma:
Ich habe einfach zu viel Zeit...

@ Imperator:
Ich war auch skeptisch, ob der Migration in die Moderne. Umso mehr ich erfreut, wie gut es gelungen ist! Die wahre Offenbarung ist allerdings das Casting: Cumberbatch und Freeman. Toll die beiden.